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Wandertaube

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Wandertaube
Wandertaube2.png
Systematik
Klasse: Aves (Vögel)
Ordnung: (Columbiformes) Taubenvögel
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Wandertauben (Ectopistes)
Art: Wandertaube
Wissenschaftlicher Name
Ectopistes migratorius

Die Wandertaube war eine einst in Amerikanien weit verbreitete Taubenart. Es wird angenommen, dass es sich um die Vogelart mit den meisten Individuen gehandelt hat, die je gelebt hat.


AussehenBearbeiten

Wandertauben unterschieden sich deutlich von anderen Taubenarten, insbesondere von den feisten, trägen "Flugratten" der Städte. Ihr Körper war eher länglich und schlank und ihr Federkleid überaus bunt, vorallem beim Männchen. Dieses hatte einen blaugrauen Rücken, eine rostrote Brust mit gelben Flecken an Hals und Federn, sowie schwarz-weisse Fügel und Schwanz.

LebensweiseBearbeiten

Die Lebenweise der Wandertaube war einigermassen spektakulär: Der Vogel zog in gigantischen Schwärmen, welche bis zu einer Milliarde (!) Indivuduen enthalten konnten und an die 3 - 5 Kilometer lang waren, über das Land. "Es war, als ob eine riesige, schwarze Wolke den Himmel verdunkelte" berichtete der Weltenbummler und Naturforscher Marco in seinem Amerikanien-Tagebuch. "Der Schwarm verdunkelte die Sonne, er schien weder Anfang noch Ende zu haben."

Die Schwärme zogen so von Futterplatz zu Futterplatz. Sie liessen sich mit Vorliebe in Nussbaumwäldchen nieder. Die Äste der Bäume brachen bisweilen unter der Last hunderter von Wandertauben ab. Ebenfalls in den Bäumen wurde das Brutgeschäft vollzogen. Die Paare bekamen pro Brutsaision nur ein Junges.

Wandertaube und MenschenBearbeiten

Wandertaube.jpg

Eine männliche Wandertaube

Ein Wandertaubenschwarm bedeutete für das von ihm aufgesuchte Revier einen beträchtlichen Eingriff. Die Millionen von Vögeln frassen alle Samen und Körner sowie Nüsse eines Platzes innert weniger Tagen gänzlich weg. Bäume und Steppengräser waren regelrecht kahlgefressen und versanken in einem bis zu 6 Zentimeter hohen Teppich aus Kot.
Der "Besuch" eines Wandertaubenschwarms hatte daher schon immer etwas von einer Plage, einem Heuschreckenschwarm nicht unähnlich.

In den früheren Zeiten Amerikaniens wurden die Wandertauben daher von den Stämmen einerseits als Unheilsbringer gefürchtet, andererseits waren die Vögel schon aufgrund ihrer grossen Zahl eine leichte Jagdbeute und ihr Kommen bedeutete daher stets, sowohl reiches Essen als auch Zerstörung von Ressourcen.

Die AusrottungBearbeiten

Die Siedler der zweiten, grossen Einwanderungswelle im Amerikanien um 1650 sahen in der Wandertaube definitiv eine Bedrohung ihrer Felder und Äcker. Wenn der Vogel schon die Samen der Präriegräser frass, warum sollte er den Weizen verschonen?
Die Siedler bejagten die Wandertauben massiv. Sobald irgendwo ein Schwarm auftauchte, wurde die Kunde in geradezu atemberaubender Geschwindigkeit von Hof zu Hof, Dorf zu Dorf und Stadt zu Stadt getragen. "Die Menschen lassen alles stehen und liegen, greiffen ihre Flinten und Netze, springen auf Wagen und Pferde und machen sich auf zu dem Ort, wo sich der Schwarm niedergelassen hat. Es ist als hätte sie ein kollektives Jagdfieber gepackt, ein Blutrausch, dem sich kein Mann, keine Frau und kein Kind zu entziehen in der Lage ist. Wären die Tauben nicht so unendlich zahlreich, müsste man befürchten, dass sie innert zehn Jahren ausgerottet sind" schrieb ein Reporter der Old York Times im jahre 1659.

Die enormen Kopfzahlen der Wandertaubenschwärme liess die Spezies tatsächlich unausrottbar erscheinen lassen. Ein Trugschluss, der wohl massgeblich zu ihrer Vernichtung beitrug.

JagdmethodenBearbeiten

Pigeons.jpg

Ein Schwarm Wandertauben zieht heran

Wenn der Schwarm in der Luft war, reichte es mit dem Gewehr nach oben zu schiessen. Die Dichte der Vogelleiber liess jede Schrotkugel ein Ziel treffen. So konnten innert einer Stunde bis zu 50'000 Tiere abgeschossen werden. Wenn sich die Tauben in den Bäumen niedergelassen hatten, zündete man Schwefeltöpfe unter den Bäumen an, um die Vögel zu ersticken und zu vergiften. Riesige Nezte wurden über die taummelnden Tiere geworfen.
Die Jäger campierten Tagelang auf den Futtergründen des Schwarms. Geschlafen wurde in den Wagen und Zelte, um die sich die Frauen kümmerten. Diese waren ebenfalls damit beschäftigt, die toten Tauben zu rupfen und zu kochen. Allerdings übertraf die Masse an geschossenen Tauben bei weitem jede Nahrungsaufnahmekapzität. Bauern trieben daher ihre Schweine herbei, auf dass sie sich an den Bergen toter und halbtoter Vögel fett fressen konnten. Ganze Planwagentrecks gefüllt mit Hunderttausend toten Tauben wurden nach Old York gefahren und für drei Pennies pro Doppelzentner an eine Düngemittelfabrik verkauft.

Das EndeBearbeiten

Die hemmungslosen Massaker dauerten bis ins achtzehnte Jahrhundert hinein. Um 1720 schliesslich, brach die Population der Wandertauben zusammen.
Von den einst Milliarden von Vögeln blieb gerade mal ein Schwarm von einer halben Million Exemplaren übrig. Doch selbst dieser Schwarm wurde noch bejagt und das, obwohl viele Gemeinden dies mittlerweile verboten hatten. "Es kümmert die Leute schlicht nicht" schrieb der Schriftsteller Marvin Rupperknecht 1728. "Die Blutgier scheint nicht nur den Verstand zu vernebeln, sondern auch die Furcht vor Strafe".

Im Jahre 1733 stellte der neugewählte Präsident Francis Kennedy die Wandertaube unter strengen Schutz. In einer historischen Rede am 25. Juni 1733 sagte er:
"Das weitaus traurigste was ich in den letzten Tagen tun musste war, unsere grossen Museen anzuweisen, damit anzufangen, Exemplare von Wandertauben zu präparieren und zu konservieren, auf dass sie uns wenigstens auf diese Art und Weise erhalten werden mögen. Denn ganz ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob wir die Art werden retten können. Mit welchem Recht aber verwehren wir es unseren Nachkommen, mit eigenen Augen zu sehen, wie die Tauben aus den Wolken herabtauchen, wie sie den Himmel verdunkeln und über das Grasland ziehen? Tot und leblos im Museum, als ferne Erinnerung an das Leben - soll das alles sein, was unsere Kinder von den Wandertauben erfahren werden?"

Kennedy's Gesetz zum Schutz der Wandertaube sah drastische Strafen für die Jäger vor, die sich nicht an das Verbot hielten. Eine neuaufgestellte Wildhüterstaffel, die dem Schwarm auf seinem Zug folgte, sollte ihn vor Übergriffen schützen. Mehrere Urteile wurden in spektakulären Wilderei-Prozessen gefällt. Am bekanntesten ist der Fall des Farmers George Schierling, der in Fort Reed wegen der Tötung von 20 Wandertauben zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt worden war.

Trotzdem erholte sich der Bestand nicht. Im Jahre 1740 war die Zahl der Tauben unter 500'000 gesunken. Über den Grund dieses Rückgangs war man sich im Unklaren.

Kasmoviaflag.jpg

Die Flagge der Provinz Kasmovia

Im Jahre 1752 ergab die Zählung eine Zahl von noch 80'000 Tieren. Diese Vögel hatten sich in drei Schwärme gesplittet, deren Wanderungen sich hauptsächlich auf das Gebiet der Provinz Kasmovia begrenzten. Diese Lebensweise war in keinster Weise mehr mit jener zu vergleichen, als die Tiere in Milliarden starken Schwärmen über ganz Amerikanien zogen. Zum ersten mal kam unter den Fachleuten die Vermutung auf, dass die Gesamtzahl der Spezies offenbar einen Einfluss auf ihr Verhalten hatte. Der Naturforscher James MacDonald schrieb 1759:
"Die kleineren Schwärme sind deutlich verwundbarer. Früher hat die schiere Masse diese Art vor vielen Fressfeinden geschützt, welche schlichtweg Reissaus nahmen vor der Lawine an Vögeln. Heute machen Löwen, Wildhunde und alle Arten von Raubgreifern reiche Beute unter den planlos wirkenden, lichten Kolonien. Auch die Bruttätigkeit hat dramatisch nachgelassen. Offenbar braucht die Wandertaube die Gegenwart einer Mindestanzahl von Artgenossen, um überhaupt in Brutstimmung zu kommen. Wenn diese kritische Masse unterschritten ist, gibt sich die Art buchstäblich selbst auf."

Die Tatsache, dass sich die Wandertaube in den Zoos nicht ein einziges mal fortpflanzte, schien diese Theorie zu bestätigen.

In Kasmovia unternahm man daher vermehrte Anstrengungen, die letzten wildlebenden Wandertauben zu retten. Es wurden sogar bestimmte Gräsersorten grossflächig angebaut, von denen man annahm, dass deren Samen von den Tauben besonders gern gefressen wurden. Kasmovia, als das letzte Gebiet der Erde, welches Wandertauben beherbergte, nahm das Tier im Jahre 1771 sogar in sein Wappen auf.

Trotzdem konnte der kontinuierliche Rückgang des Bestandes nicht mehr gestoppt werden. Im Jahre 1785 verblieben noch ganze 4000 Tiere, im Jahre 1789 waren es noch 1000. 1790 wurden keine freilebenden Wandertauben mehr gesichtet. Es existierten noch 8 lebende Exemplare in Zoos. Das letzte von ihnen, ein Weibchen namens Joannah starb am 1. September im Jahre 1798 im Tiergarten von Fall River. Seither gilt die Art als ausgestorben.

Die Sichtung von 1799Bearbeiten

Passenger-pigeon.jpg

Joannah, die letzte Wandertaube starb im Zoo von Fall River, am 1. September 1798

Einiges Aufsehen erregte eine Überlieferung aus dem Borealienkrieg: In einer per Radiofunk übermittelten Botschaft berichtetete John F. Kennedy, welcher mit seinem Flüchtlingstreck unterwegs war, von Wandertauben. Zitat: "Meine Mutter hat sich in einen Ameisenhaufen gesetzt und unser Koch hat geflucht, weil die Wandertauben seine Kochtöpfe zugeschissen haben"
Nach dem Krieg dazu befragt, sagte JFK: "Ich selber habe die Vögel nicht gesehen. Ich hörte nur wie der Koch herumfluchte, von Wegen Wandertauben hätten sein Geschirr verschmutzt. Ich war damals müde und erschöpft und gab diese Aussage einfach so weiter, zugegeben ohne darüber nachzudenken, was sie möglicherweise bedeuten könnte. Ich wollte aber sicherlich keine falschen Hoffnungen wecken".

Der Koch ist im Krieg gefallen und kann somit nicht mehr befragt werden. Umfangreiche Untersuchungen und Expeditionen sowohl am Ort des einstigen Lagers als auch in dessen Umgebung ergaben aber keinerlei Hinweise darauf, dass es sich um überlebende Wandertauben gehandelt hat. Es wird heute davon ausgegangen, dass der Koch von Kasmovia-Tauben "angegriffen" worden war, eine mit der Wandertaube verwandte Spezies.

Natürlich ist es nicht gänzlich auszuschliessen, dass ein kleiner Restbestand bislang unentdeckt in den Weiten Amerikaniens überlebt hat. Sehr wahrscheinlich ist es aber nicht.

Die Wandertaube als nationales MahnmalBearbeiten

John F. Kennedy erklärte den 1. September zum nationalen Gedenktag an die Wandertaube: "Es ist eine unendliche Schande und Schmach, dass aussgerechnet in unserem Land, welches sich ansonsten rühmen kann eine unvergleichliche Artenvielfalt zu beherbergen, wo Tiere leben, die anderswo seit Jahrtausenden ausgestorben sind, dass dieses Land eine endemische Art ausgerottet hat. Die Wandertaube ist eine tiefe Wunde im Herzen eines jeden Amerikanensers. Die Wandertaube wird nicht wieder zurückkommen, sie lebt nur noch in der Geisterwelt. Von dort aus mahnt sie uns wachsam zu sein, auf dass solch eine Tragödie nie wieder passiere".

Klonen und RückzüchtungBearbeiten

Die Führung von Aquanopolis bot Mitte 1800 Amerikanien an, sich an einer Rückzüchtung, ja vielleicht sogar Klonierung der Wandertaube durch den Kryptobiologen Agaton Mars zu versuchen. JFK jedoch lehnte dies ab: "Ich bezweifle nicht, dass Herr Mars eine der Wandertaube äusserlich ähnliche Kreatur erschaffen kann. Ein biologisches Mimikry, eine künstliche Wesenheit, die nichts, aber auch gar nichts mit der alten, der echten Wandertaube zu tun haben wird. Wir verzichten dankend. Man kann nicht alles gut machen, ersetzen oder ungeschehen sein lassen. Der Mensch muss lernen, mit den Konsequenzen seiner Handlungen zu leben. So schmerzhaft das auch sein mag."

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