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Lieslgraben ist eine kleine Gemeinde im Nordosten der Union von Drimmelbach, deren eigenständiges Mitglied sie seit dem Gründungsjahr 1748 ist. Die Ortschaft zählt mit ihren nur etwa 900 Einwohnern bereits zu den größeren Ansiedlungen des Staatenbundes, lässt sich aber durchaus als repräsentativ für die deutsch geprägten, ländlichen Gebiete nördlich der Drimmel bezeichnen.

Geschichte Bearbeiten

Über die Frühgeschichte des Ortes ist wenig bekannt, man darf aber annehmen, dass die ersten Siedler Waldarbeiter aus dem Heiligen Deutschen Reich waren, die den Bereich der jetzigen Siedlung sowie die umliegenden Gebiete rodeten. Diesen folgten später Landwirte und Handwerker, die den gegenwärtigen bäuerlichen Lebensstil des Ortes prägten. In den späten 50er-Jahren des 18. Jahrhunderts wurde Lieslgraben zu einem Zentrum der Landmannbewegung, wovon heute jedoch nur mehr wenig zu spüren ist, da die Souveränität der Handvoll in Lieslgraben ansäßiger Großbauern von niemandem ernstlich gefährdet wird.

Geographie Bearbeiten

Der Hauptplatz Bearbeiten

Die Geographie Lieslgrabens wird in erster Linie von der extremen Hanglage des Ortes definiert. So wird man als Besucher in Lieslgraben keine einzige ebene Straße vorfinden. Die einzige ebene Fläche ist der Hauptplatz, an dessen Stelle wohl die Holzarbeiter bei der Erstbesiedelung ihre hölzernen Blockhütten errichteten. Später, als der Schwerpunkt der Produktionsleistung an die Agrarwirtschaft überging, wurden um diesen ersten Siedlungskern nach und nach steinerne Gutsgebäude angelegt. Die Forstwirtschaft verlagerte sich weiter in den Norden und damit in höhere Lagen, während die Blockhütten verfielen oder die Bausubstanz kannibalisiert und anderweitig verwendet wurde. Der dadurch freigewordene Platz wurde von den Lieslgrabenern als zentraler Versammlungsort und später auch als Marktplatz genutzt. Heute ist der Hauptplatz gepflastert und beherbergt nicht nur den Wochenmarkt, sondern auch zwei Gasthäuser mit Stallungen.

Die Liesl Bearbeiten

Ein weiteres hervorhebenswertes Merkmal sowie namensgebender Faktor ist die Lage an der Liesl, einem Fluss, der diese Bezeichnung eigentlich nur in den späten Frühlings- und frühen Sommerwochen verdient, wenn in den höheren Lagen Eis und Schnee schmelzen, sowie natürlich nach dem Abgang eines sommerlichen Unwetters, was keine Seltenheit ist. Die Liesl hat tief in den fruchtbaren, sonst sanft abfallenden Boden geschnitten und dabei die charakteristische geologische Formation geschaffen, nach der auch die Ortschaft benannt ist: den Lieslgraben. Auf Höhe des Ortes ist dieser gute fünf Meter tief, er flacht jedoch gegen das Tal hin ab und verschärft sich knapp über dem Ort zu einer beeindruckenden Klamm, die man dem sanften Rinnsal der Liesl nur schwer zutraut. Aus diesem Grund wird spekuliert, dass die Liesl in früherer Zeit ein größeres Einzugsgebiet hatte, dass durch Murenabgänge oder sonstige geologische Verschiebungen im Hochgebirge beeinträchtigt wurde. Auf ganzer Länge führt keine Brücke über den Lieslgraben, auch wenn es in den meisten Jahreszeiten durchaus möglich ist, ihn zu überqueren. Dieser Umstand bringt es mit sich, dass der Ort Lieslgraben zur Gänze östlich der Liesl liegt. Viele Gebäude schließen direkt an die schroffe Felswand des Lieslgrabens an, auch der Hauptplatz grenzt daran. Am Hauptplatz gibt es auch eine steinerne Rampe, vermutlich schon von den Forstarbeitern in den Untergrund gehauen, um im Frühjahr Baumstämme talwärts zu flößen, die das restliche Jahr über vor Ort gelagert wurden.

Die nähere Umgebung Lieslgrabens Bearbeiten

Lieslgraben ist im Osten und Süden von Weide- und Ackerland umgeben, im Norden schließt direkt der Wald an. Im Westen, jenseits der Liesl, liegt ebenfalls Wald, jedoch ein naturbelassenerer, kaum genutzter und beinahe wegloser Wald, der die Lieslgrabener, nur wenige Meter von ihrem Ortskern entfernt, stets daran erinnert, wie ihr Land aussähe, wären sie selbst nicht da, um es zu kultivieren. Besonders im Herbst, wenn die Lieslgrabener die Blätter wegkehren müssen, die der Wind aus diesem unberührten Wald auf ihre Türschwelle treibt, entsteht in vielen von ihnen ein beklemmendes Gefühl, wenn nicht der Angst, dann zumindest der Ehrfurcht, und vielleicht ist es doch nicht nur die Sorge um die Kinder, die sie dazu bewog, am Rande des Hauptplatzes ein Geländer zu errichten. Es gibt, neben einigen vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Feldwegen, drei Straßen, über die man Lieslgraben betreten oder verlassen kann. Eine führt nach Osten, zuerst über einige Felder mit malerischem Ausblick über das Tal, und wenn man ihr weiter folgt, gelangt man in Ortschaften, die Lieslgraben strukturell sehr ähnlich sind, auch wenn sie natürlich nicht ein so charakteristischer geologischer Bruch kennzeichnet. Die beiden anderen Straßen sind eigentlich eine einzige, die entlang der Liesl von Süden nach Norden führt. Weitgereiste aus anderen Tälern betreten den Ort zumeist über diesen Weg, da er aus dem Tal im Süden kommt und dort von einer größeren Straße abzweigt. Oberhalb Lieslgrabens wird dieser Weg wesentlich schmaler, da er direkt in den Wald führt, dessen erste Bäume schon über die nördlichsten Häuser Lieslgrabens hängen. Er verschwindet zuerst hinter einem großen Felsbrocken, den man mit einigen akrobatischen Verrenkungen schon vom Hauptplatz aus sehen kann, und führt dann am Rand der sich vertiefenden Klamm entlang. Dieser Weg wird hauptsächlich von den Forstarbeitern verwendet, und wenn die passende Saison ist, dann auch von Lieslgrabenern, die im Wald Pilze und Beeren suchen. Man kann ihn auch verwenden, um über einen Pass in das nächstgelegene Tal im Norden vorzudringen, doch das ist nicht der sicherste oder allgemein empfehlenswerteste Weg.

Politik Bearbeiten

Lange Zeit unterstand Lieslgraben der sogenannten "Unmittelbaren Kaiserlichen Gerichtsbarkeit", was bedeutet, dass fahrende Richter sich in in der Theorie regelmäßigen, in der Praxis unvorhersehbaren Abständen im Ort einquartierten und das kaiserliche Recht in allen Fällen durchsetzten, die sich in der Zwischenzeit angesammelt hatten. Natürlich kann nicht jeder Konflikt auf das Erscheinen einer solchen - im Übrigen überaus kostspieligen - Amtsperson warten, was bedeutet, dass der eine oder andere Streit über die Jahre auch abseits des Rechtswegs ausgetragen wurde. Zumeist konnte ein informelles Konzil aus untadelig konservativen, sehr korrekten und unumstritten respektablen, wenn auch vielleicht etwas zu oft angetrunkenen Familienoberhäuptern das Gewohnheitsrecht durchsetzen und so Schlimmeres verhindern. So überstand Lieslgraben auch unbeschadet das Schwinden der kaiserlichen Macht, und mit der Zeit verblasste jeder Gedanke an eine höhere Gerichtsbarkeit. Als mit der Union von Drimmelbach eine neue Regionalmacht aufstieg, die von ihren Nachbarn mit Nachdruck ein gewisses Maß an Begeisterung für ihre föderalistische Idee einforderte, geschah der unvermeidliche Eintritt in Lieslgraben nicht ohne einen gewissen Widerwillen. Der Landmannbewegung, die vollständige Autonomie für den einzelnen Bauern und Gutsbesitzer forderte, erwuchs, gespeist aus genau diesem Widerwillen, eine ganze Reihe an Anhängern unter den Großbauern Lieslgrabens. Dies ist auch der Grund, warum die Repräsentanten Lieslgrabens im Ständigen Kongress der Union zumeist aus einer der weniger prominenten Bauernfamilien stammen, und es dürfte auch erklären, warum diese ihr Amt so selten wahrnehmen, ganz abgesehen natürlich davon, dass sie sich auch um ihre eigenen Geschäfte zuhause kümmern müssen.

Derzeitiger Repräsentant ist Hagemar Abschwert vulgo Tauwieser, der das Amt seit 17 Jahren innehält und damals vom Bauernrat zum Nachfolger seines verstorbenen Onkels bestimmt wurde. Er hält in Starasee ein dreifaches Stimmrecht inne, was in den Beitrittsverhandlungen Lieslgrabens zur Union so ausgehandelt wurde.

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