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Erlebnisse der Uacalxochitl Malintzin Xochiyohua Chicomecoatl

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Uacalxochitl Malintzin Xochiyohua Chicomecoatl ist eine aztekische Journalistin und Reisende. Sie berichtet hautnah über diverse Geschehnisse weltweit.


Tenochtitlan 01. August 1801 Bearbeiten

Ich sitze in einem Cafe am Tenochtitlaner Tempelplatz. Auf meinem Tisch steht eine Tasse mit dampfendem Kakao. Der Regen prasselt gegen das Fenster. Ich warte auf die stellvertretende, aztekische Hohepriesterin Tzitzitlini Tenoch-Hase und ihren Ehemann, der stellvertretende Uei Tlatoani Felix Hase. Ich werde die beiden interviewen. Zu meiner Freude gelang es mir auch mit einigen anderen namhaften Personen einen Interviewtermin zu vereinbaren unter ihnen Mixtli Chichimecatecle Zoanacochtzin, ein berühmter Historiker, um die Lücke bis zu meiner Reise nach Khmeram zu schließen. Ich nippe an meinem Kakao und sehe wie zwei Personen das Cafe betreten. Es handelt sich um Felix Hase und Tzitzitlini Tenoch-Hase. Sie trägt einen schweren Ledermantel, der mit zahlreichen Ornamenten bestickt ist. Er trägt einen schlichten, schwarzen Ledermantel. Die Hand, welche auf dem Gehstock ruht, trägt keinen Handschuh. Die beiden gehen auf mich zu. Ich stehe auf und begrüße sie. Bevor ich mit dem Interview anfangen kann, kommt die Kellnerin und nimmt die Bestellung auf. Sie umfasst zwei Mojitos. Ich beginne.

Uacalxochitl Malintzin Xochiyohua Chicomecoatl: Ich danke Ihnen, Herr und Frau Tenoch-Hase, dass sie gekommen sind und sich dem Interview stellen. Ich möchte ein untypisches Thema anschneiden. Es geht um die freie Religionsausübung innerhalb des Aztekenreiches. Einige Christen sehen sich in diesem Recht beschnitten.

Tzitzitlini Tenoch-Hase: Diese Anschuldigen sind aus der Luft gegriffen. Es ist den christlichen Religionsgemeinschaften erlaubt ihren Glauben auszuleben.

Felix Hase: Genau, des Weiteren dürfen sie Tempel errichten und wenn sie ein Ansuchen früh genug einreichen, haben Christen das Recht an besonderen christlichen Feiertagen ihrer Arbeit fernzubleiben.

Uacalxochitl Chicomecoatl: Diese Freiheiten werden auch genutzt, doch ein Teil der Christen sieht sich durch einige Gesetze des Aztekenreiches in ihrer Religionsausübung behindert. So wird das Sterbehilfegesetz als Beispiel genannt, da dieses nicht mit der christlichen Moralvorstellung in Einklang gebracht werden kann.

Tzitzitlini Tenoch-Hase: Es handelt sich nur um einige intolerante Idioten, welche sich auf den Schlips getreten fühlen, weil man nicht das macht, was sie wollen und ihnen keine Steuererleichterung, sowie die Herrschaft anbietet.

Felix Hase: Ich teile Tzitzitlinis Meinung, auch wenn ich es anders ausgedrückt hätte. Einige Einwohner des Aztekenreiches interpretieren ihre Religion anders als der Rest und dies führt zu Meinungsverschiedenheiten. Die Mehrheit findet das Sterbehilfe gesetzt sinnvoll und viele nutzen es, erst wenn sich das ändert, kann über eine Abschaffung gesprochen werden.

Uacalxochitl Chicomecoatl: Das heißt es ändert sich nichts. Die Einwände werden ignoriert und als Aussagen einer unbedeutenden Minderheit abgetan.

Felix Hase: (lacht) Seit wann sind Sie, Frau Chicomecoatl, so auf Skandale aus? Die Einwände wurden nicht ignoriert und als Aussagen einer unbedeutenden Minderheit abgetan. Die Einwände wurden geprüft und man erkannte, dass man nichts ändern kann, da der Großteil der Bevölkerung keine Änderung wünscht. Das heißt nicht, dass die Christen eine unbedeutende Minderheit sind. Offiziell ist das Aztekenreich eine absolute Monarchie, doch wenn ich die Wünsche des Volkes ignorieren würde, wäre ich innerhalb eines halben Jahres arbeitslos und das Volk wünscht keine Abschaffung des Sterbehilfegesetzes. Ich möchte die Meinungs- und Pressefreiheit erwähnen, welche zwar vom Großteil der Bevölkerung akzeptiert, jedoch von einigen abgelehnt wird. Der Hahn, der am lautesten kräht, sitzt nicht unbedingt auf dem größten Misthaufen.

Uacalxochitl Chicomecoatl: Es war nicht meine Absicht einen Skandal zu provozieren. Ich-

Tzitzitlini Tenoch-Hase: Doch ein Skandal hätte sich gut verkauft. Ich sah schon die Schlagzeile, aztekische Königsfamilie schert sich nicht um Minderheiten.

Felix Hase: Meine Liebste, ich denke, dass Frau Chicomecoatl keinen Skandal provozieren wollte, behauptet sie zumindest, doch da es zu keinem gekommen ist, ist dieses Thema irrelevant.

Uacalxochitl Chicomecoatl: Ich denke es ist Zeit das Thema zu wechseln, damit die Gemüter wieder etwas abkühlen können.

Tzitzitlini Tenoch-Hase: und damit Sie der peinlichen Situation entkommen, in die Sie sich gebracht haben.

Uacalxochitl Chicomecoatl: Es sind Besuche in Khmeram, Cambodia, Canada und Amerikanien geplant, was erwarten Sie sich von diesen Reisen, Herr Hase?

Felix Hase: Die Reisen nach Khmeram und Cambodia diesen dem Zweck, die Verbindungen zu verbessern. Khmeram ist ein Anrainerstaat und deshalb sollten die politischen Verbindungen verbessert werden. Cambodia ist, aufgrund des fehlenden politischen Dialoges mit Dixie-Land, ein wichtiges Tor nach Borealien und deshalb ist es wichtig die Beziehungen zu pflegen. Ziel der Reise nach Canada ist den distanzierten Frieden zu wahren und da Amerikanien fast am Weg liegt und ich gerne nach Amerikanien reise, wird dieses Land auch besucht. Tzitzitlini wird mich auf meinen Reisen nach Amerikanien und Khmeram begleiten.

Ich sitze hier. Meine Tasse ist leer. Das aztekische Königspaar hat seine Mojitos ausgetrunken und ist gegangen. Ich sitze hier und stelle mir die Frage, ob andere bedeutende Politiker auch so schwer zu interviewen sind.


Über dem Meer 17. Juni 1801 Bearbeiten

Ich sitze in meiner Kabine und blicke auf das Meer unter mir. Auf dem Tisch der vor dem Fenster steht, befindet sich eine Tasse Kakao, welche noch dampft. Ich sitze auf einem kleinen Hocker und warte, dass das Heißgetränk sich abkühlt. Unter mir bewegt sich das eintönige Meer und ich lasse meine Gedanken schweifen. Ich denke an meinen Wienbesuch und den Aufstand der armen österreichischen Bevölkerung. Ich dachte, dass es sich um eine angenehme Reise handeln wird, doch es wurde zu einem riskanten Unterfangen. Schon bevor Präsidenten Kennedy ankam, gab es gewalttätige Demonstrationen. Ich war gezwungen zu zusehen und mich von einem Kellner beschimpfen zu lassen, welcher diese Tat aber sicherlich bereut, dafür sorgte ich. Es wurden amerikanensische Flaggen verbrannt. Kennedypuppen gehängt. Ich war erstaunt über das Ausmaß der Gewalt. Geschäfte wurden zerstört. Demonstranten prügelten sich. Die Polizei griff erst sehr spät ein und ging mit einer für mich erstaunlichen Brutalität zu Werke. Doch diese Demonstrationen waren nur die Spitze des Eisberges. Als Kennedy ankam uferten sie zu einem Aufstand aus. Die Stadtteile Leopoldstadt und Brigittenau glichen einem Kriegsschauplatz. Es war bedrückend durch die Gassen zu gehen, wo das Blut auf der Straße klebe und man im Hintergrund das Artilleriefeuer hörte. Ich hatte Angst, große Angst und wagte es mir nicht auszumalen, was geschehe , wenn ich, eine unbewaffnete Frau, einem Kampftrupp in die Hände geraten würde. Eilig bemühte ich mich, dass Kampfgebiet zu verlassen und auf die andere Seite der Donau zu kommen. Es war ein eigenartiges Gefühl einen Kampfschauplatz in so kurzer Zeit verlassen zu können. Nach nur 10 Minuten war ich in Sicherheit. Doch auch nach dem Aufstand hatte sich die Lage der armen Bewohner Wiens nicht gebessert. Zahlreiche Häuser waren zerstört und ausgebrannt. Viele Einwohner hatten einen geliebten Menschen verloren oder ihren Besitz. Auf den Straßen klebte immer noch das Blut. Gleich einem Mahnmal gegen Gewalt. Der Besitz des Kaffeehauses in dem ich ein Glas Wasser trank, schien erleichtert über meinen Besuch. Vereinzelt sah man Kinder auf der Straße. Sie spielten mit den Ziegelsteinen der zerstörten Häuser. Es war nicht mein erster Österreichbesuch. Ich habe das Land schon von seiner schönen Seite gesehen. Ich habe schon Städte wie Innsbruck, Salzburg oder Zell am See besucht, doch nie wurde ich Zeugin einer solchen Volkswut einer solchen Zerstörungskraft der Österreicher, welche dafür bekannt sind einen latenten Rassismus an den Tag zu legen und sich über alles Aufregen. Jedoch sind sie mir sympathischer als die Bewohner des Deutschen Bundes, die ihren eigenen Staat für den Mittelpunkt der Erde halten, ohne zu erkennen, dass das nicht stimmt. Mein Kakao ist etwas abgekühlt und ich nehme die Tasse in die Hand. Es hat etwas angenehmes, wenn man die Tochter eines aztekischen Adeligen ist und sich deshalb einen Flug erster Klasse leisten, in einem weichen Bett schlafen kann und eine Kabine für sich alleine hat. Ich blicke aus dem Fenster und erkenne am Horizont, am Rand des blauen Teppichs, der sich Meer nennt, einen grauen Streifen, vermutlich handelt sich um Coatlicue.

Wien 11. Juni 1801 Bearbeiten

Ich sitze vor dem Eingang eines kleinen Cafes. Auf meinem Tisch steht nur ein Glas Wasser. Der Kellner sagte, es gäbe keinen Kakao. Ich bin der einzige Gast. Der Rest des Lokales ist leer. Der Kellner erzählt mir die Leute hätten noch Angst das Haus zu verlassen. Ein Soldat geht an mir vorbei. Er wirkt gelangweit und erleichtert. Die Waffe hält er in seiner Hand. Ihr Lauf zeigt zu Boden. Auf der Straße kann man noch die Spuren der Artillerie sehen, welche im Kampf gegen die Aufständischen eingesetzt wurde. Ich leere mein Glas und rufe den Kellner zu, ich möchte zahlen. Dieser winkt ab und sagte, da ich der erste Gast bin, geht die Rechnung aufs Haus. Ich stehe auf und blicke das Haus auf der anderen Straßenseite an. Es ist eine Ruine. Die Straßenkämpfe haben es unbewohnbar gemacht. Die oberen Stockwerke sind vollkommen zerstört. Die unteren unbewohnbar. Ein kleiner Junge sitz in den Ruinen und spielt mit einem Ziegelstein. Seine Eltern sind nicht zu sehen. Entweder ging das Kind verloren, oder seine Eltern sind bei den Straßenkämpfen ums Leben gekommen. Der Himmel ist von düsteren Wolken bedeckt, welche alles in ein diffuses Licht tauchen. Ich gehe die Straße entlang. Kaum ein Haus wurde von den Kampfnadlungen verschont. Aus manchen Fenster hängen schwarze Stofftücher. Vermutlich ein Zeichen, dass jemand aus diesem Haus gestorben ist. Ich bin fast alleine auf der Straße, doch hinter den Fenstern sehe ich zahlreiche Gesichter, welche mir neugierig nachblicken. Die Straße ist überseht mit Schutt und Blut. Eine Gruppe von Soldaten kommt mir entgegen. Sie wirken nicht angespannt oder ängstlich, sondern lachen uns sind fröhlich. Einer von ihnen grüßt mich sogar, als ich an ihnen ich vorbeigehe. Von den Soldaten ist die Anspannung abgefallen. Sie haben den Einsatz überlebt und können jetzt ohne Angst durch Leopoldstatt und Brigittenau gehen. Ich drehe um und gehe zurück zum Hotel. Auf einer Hauswand steht mit großen Buchstaben , beendet den Krieg zwischen und Brüdern. Ob dieser Spruch wirklich von einem Aufständischen kommt oder ob die österreichische Propagandamaschinerie hier tätig wurde, ist schwer zu sagen. Ich Blicke nach oben. Die ersten Regentropfen fallen. Der Regen wird stärker und spült den Schmutz und den Staub der Kriegstage weg. Ich beeile mich zurück zu meinem Hotel zu kommen, bevor ich auf die Knochen durchnässt bin. Während ich durch die Straßen eile, sehe ich wie der Schmutz, der Schutt, das Blut des Kampfes weggewaschen wird. Zufrieden und durchnässt erreiche ich mein Hotel. In zwei Tagen werde ich mit einem Zeppelin zurück nach Tenochtitlan reisen.

Wien 07. Juni 1801 Bearbeiten

Ich stehe vor einer schmutzigen Hauswand. Das Gebäude ist verfallen. Die Fassade schmutzig. Das Tor ist aufgebrochen worden und worden und zahlreiche Einschusslöcher verteilen sich auf der Außenwand. Auf der Straße liegt vereinzelt noch Munition. Auf dem Gehsteig vor dem Gebäude befindet sich ein Blutfleck. Fliegen laben sich an ihm. Die Leiche ist nicht zu sehen, wahrscheinlich handelte es sich um einen Soldaten, der bei der Erstürmung des Hauses gestorben ist. Ich wende mich ab und gehe die Straße entlang. Ich sehe keinen Menschen. Die meisten sind zuhause oder wer es sich leisten konnte hat die Stadt verlassen. Einzig die Aufrührer ziehen in Gruppen von mehreren hundert Menschen durch die Straßen und liefern sich Schlachten mit dem Militär. Das Geräusch von Schüssen und das Dröhnen der Artillerie sind allgegenwertig. An einem Fenster steht ein kleines Mädchen. Sie blickt mit einer Mischung aus Angst und Neugierde auf die Straße, bis sie ihr Vater hochhebt und wegträgt. Auf einer Hauswand lese ich „Ende der Diskriminierung, gleicher Lohn für Österreicher und Ausländer“ darunter steht „Scheiß, Ausländer. Österreicher zuerst“. Es zeigt, dass es sich bei den Aufständischen keineswegs um eine homogene Gruppe handelt. Sie kämpfen für unterschiedliche Ziele, haben jedoch das gleiche Feindbild. Ich biege an einer Straßenkreuzung rechts ab und bemühe mich rasch den Stadtteil Leopoldstadt zu verlassen. Die Gebäude, welche sich entlang der Straße reichen sind schwer beschädigt. Einige sind vollkommen zerstört. Das Blut macht die Pflastersteine glitschig. Auf der Straße liegen zahlreiche Leichen. Man macht sich nicht die Mühe sie auf ein Karren zu schlichten oder zu Begraben. Unter den Toten sind Aufständische und Soldaten, wahrscheinlich auch einige Zivilisten, welche in Häusern Zuflucht gesucht hatten, die durch den Artilleriebeschuss zerstört wurden. Am Ende der Straße erblicke ich eine Gruppe der Aufständischen. Es sind circa 200 Menschen. Eilig laufe ich zur nächsten Seitenstraße, bevor mich einer der Aufständischen sieht. Ich biege in die Seitenstraße ein und werde fast von einem Trupp Dragoner niedergetrampelt, welche an mir vorbeipreschen. Sie nehmen kaum Notiz von mir. Ich beeile mich zur Donau zu kommen und diese zu überqueren. Ich vernehme das Geräusch von Schüssen. Die Dragoner müssen auf die Gruppe der Aufständischen am Ende der Straße gestoßen sein. Ich gehe durch das Straßengewirr, laufe fast. Ich sehe eine Mutter mit ihren drei Kindern. Sie stehen vor einem vollkommen zerstörten Haus. Endlich erreiche ich eine Donaubrücke. Auf dieser stehen circa 300 Soldaten und einige Kanonen. Einer der Soldaten hält mich auf, währen zwei mit ihrer Waffe auf mich zielen. Ich zeige meinen Reisepass und meinen Pressausweis. Der Soldat schaut mich verärgert an und nuschelt etwas von Sperrgebiet. Nachdem ich das andere Donauufer erreicht habe, blicke zurück. Über Leopoldstadt und Brigittenau hingen zahlreiche Rauchschwaden. Auch kann ich die Geräusche des Kampfes hören.

Wien 06. Juni 1801 Bearbeiten

Ich gehe über den Leopoldplatz. Auf dem Boden liegen noch vereinzelt verbrannte amerikanensische Fahnen oder Kennedy Puppen. Auf dem Kopfsteinpflaster kann man die Spuren des Feuers sehen. Der Platz ist nahezu menschenleer. Die Meisten bleiben zuhause und verlassen das Haus nur wenn es notwendig ist. Die Buchhandlung, einst ein Ort des Wissens und der Phantasie, ist eine ausgebrannte Ruine und zu einem Zeichen der Intoleranz und deren Folgen geworden. Auch andere Häuser und Geschäfte sind beschädigt. Ihre Schaufenster und Türen sind mit Holzbrettern zu genagelt. Ein Straßenmusikant lehnt sich gegen eine rußschwarze Hauswand und spielt auf seiner Klarinette die Melodie von “ My Daddy rocks me“. Die Musik halt über den Platz und durchdringt die Stille, welche sich über den Ort gelegt hat. Die wenigen Menschen, die ich sehe eilen mit bitterer Miene an mir vorbei. Ein kleiner Junge bleibt stehen, zeigt auf die ausgebrannte Buchhandlung uns sagt etwas zu seiner Mutter, doch diese packt seinen Arm und zehrt ihn mit sich. Am Südende des Platzes steht eine kleine Gruppe Polizisten. In ihren Händen halten sie stolz ihre Waffen, doch ihre Mienen zeigen ihre Angst. Sie sind um die 20 Jahre alt. Die Gespräche der Gruppe verstummen, als sie mich bemerken und den Polizisten auffällt, dass ich sie beobachte. Eilig wende ich meinen Blick ab, zwar habe ich Reisepass und andere Dokumente bei mir, doch will ich eine Konfrontation mit der Polizei vermeiden. Die Unruhen haben sich verlagert. Die meisten Demonstranten warten in der Nähe des Wiener Flughafens auf die Ankunft des amerikanensischen Präsidenten und liefern sich dort Gefechte mit der Polizei. Im Stadtzentrum ist Ruhe eingekehrt, doch die Menschen trauen sich aus Angst vor neuen Protesten oder aggressiven Polizei nicht auf die Straße. Der einzige Passant, der bereit war mit mir zu sprechen, erzählte, dass die Demonstranten aus den armen Randbezirken Wiens kommen. Sie geben England und Amerikanien die Schuld an ihrer Lage, da diese eine entscheidende Rolle im Nordeuropakrieg spielten und zur Niederlage Österreichs beitrugen. Die Polizisten beobachten mich immer noch, sodass ich eilig den Platz verlassen und in eine Seitengasse einbiege. Schwach vernehme ich Lärm, der von einer Demonstration kommt. Ich höre vereinzelt Schüsse und Schreie. Vermutlich versuchen Demonstranten die amerikanensische Botschaft zu stürmen, obwohl diese schon evakuiert wurde. In der Gassenmitte steht ein Polizist. Er ist allein. Sein Unbehagen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Auf einer Hauswand ist eine Karikatur zu sehen, welche Kaiser Franz Josef den Ersten und John f. Kennedy zeigt. Der Polizist will meinen Ausweis sehen. Eilig greife ich in meine Tasche, werde jedoch ermahnt langsam meinen Ausweis hervorzuholen, da eine schnelle Bewegung Folgen hätte. Ich zeige dem Polizisten meinen Reisepass. Dieser nuschlt etwas und lässt mich weiter gehen. Die Stimmung in Wien ist gereizt. Die Menschen fürchten sich vor einem offenen Konflikt. Was als Protest gegen den Staatsbesuch eines amerikanensischen Präsidenten begann, entwickelt sich zu einem Protest der sozialen Unterschicht gegen Benachteiligung und Bevormundung.

Wien 04. Juni 1801 Bearbeiten

Ich sitze auf der Terrasse des Cafes Dammer in Wien und blicke hinab auf den Leopoldplatz, wo eine anti-amerikanensische Diskussion stattfindet. Amerikanensische Fahnen brennen. Zu ihnen gesellen sich Kennedypuppen und Franklin-Roosevelt-Plakate. Ich kann den verbrannten Stoff riechen. Der Rauch kratzt im Hals. Am südlichen Ende des Platzes hat sich eine Art Scheiterhaufen gebildet. Auf den Plakaten und Spruchbändern, welche die Demonstranten in die Höhe halten, kann ich Sprüche lesen, wie „Tod den Heiden“ , „Roosevelt ist ein Mörder“ oder „Kennedy ist ein Kommunistenschwein“. Passanten verlassen eilig den Platz, suchen Zuflucht in den zahlreichen Geschäften. Doch diese sind meist geschlossen, aus Angst vor den Demonstranten. Auf dem Platz kommt es zu einem Handgemenge. Es ist nicht klar erkennbar, wer sich schlägt oder weswegen, doch die Polizei scheint nicht einschreiten zu wollen. Die kleine Gruppe wird von herannahenden Mitprotestieren aufgelöst und einer der Streithähne wird zu Boden gestoßen und mit Tritten traktiert. Zum Glück sitze ich oben auf der Terrasse und stehe nicht unten ihm tobenden Mob. Die Angreifer lassen von ihrem Opfer ab. Soweit ich es erkennen kann, lebt dieses noch. Trotz dieses Vorfalles und eines zweiten Handgemenges greift die Polizei nicht. Der Scheiterhaufen wächst. Eine Kennedypuppe wurde an einer Laterne aufgehängt. Das zweite Handgemenge hat sich aufgelöst, doch einige Demonstranten schlagen die Fenster einer Buchhandlung ein und strömen in das Geschäft. Die Polizei greift immer noch nicht ein, doch es scheint eine Diskussion über das weitere Vorgehen zu geben. Immer mehr Schaufenster werden von den Demonstranten eingeschlagen. Der Kellner befiehlt mir die Terrasse zu verlassen, da es draußen zu gefährlich sei. Meine Weigerung kommentiert er mit den Worten: „Dann verrecke wenigstens leise aztekische Schlampe“. Ich hasse den Wiener Schmäh. Die Buchhandlung brennt und es haben sich wieder einige Handgemenge gebildet. Die Polizei entschließt sich anscheinend doch einzugreifen. Sie geht mit Knüppel auf die Demonstranten los. Ich höre einen Schuss. Doch es ist schwer zu sagen, woher er kam. Einige Demonstranten verlassen fluchtartig den Platz. Der Focus des Geschehens verlagert sich und konzentriert sich auf die Linie, wo Demonstranten und Polizei aufeinander treffen. Die Polizei nutzt Holzknüppeln und Säbel um den Mob in Schach zu halten. Einige Personen liegen schon am Boden, soweit ich es von der Terrasse sehen kann. Es fliehen immer mehr Demonstranten. Während sich der Rest eine Schlacht mit der Polizei liefert. Auf dem Boden des Platzes liegen zahlreich zerknitterte oder versengte amerikanensische Flaggen. Es brennen zahlreiche kleine Feuer, auch der große Scheiterhaufen lodert noch. Die Demonstranten werden von der Polizei in eine Seitengasse gedrängt. Es sind nicht mehr viele. Die Meisten Demonstranten sind aus Angst vor Strafen geflüchtet. Ich werde jetzt meinen Kakao, oder heiße Schokolade, wie man in Wien sagt, austrinken und danach dem Kellner erklären, warum man mich nicht als aztekische Schlampe bezeichnen darf.

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