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Dreierbande Prozess: Achter Verhandlungstag

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Achter Tag im Dreierbande Prozess.


Die letzten Verhandlungstage mit der Vernehmung von Jed Bush hatte weltweit für besonderes Aufsehen gesorgt. Viele Prozessbeobachter gingen nun davon aus, dass es die Verteidigung wohl sehr schwer haben würde, die Angeklagten noch frei zu bekommen. Zu ungeheuerlich und zu abstossend erschien vor allem Bushs Haltung. Auch die Thematisierung der gewalttätigen Eroberung Christchurchs durch Anwalt Carter vermochte die öffentliche Meinung kaum noch zu beeinflussen. Die meisten Menschen waren der Ansicht, dass die Eroberung offenbar ein notwendiges Übel war, um ein durch und durch menschenverachtendes Regime zu stürzen.
Der heutige Verhandlungstag war als letzter angesetzt und beinhaltete sowohl die Vernehmung der Angeklagten Deidre Bush als auch den traditionellen Überraschungszeugen der Verteidigung.

Die Vernehmung von Deidre BushBearbeiten

Deidrebush.jpg

Deidre Bush verteidigt ihr Tun

Die hagere Frau nahm im Zeugenstand platz und starrte teilnahmslos in den Saal. Staatsanwalt Robert F. Kennedy schreitete auf sie zu und knallte seine Unterlagen laut auf das Pult,wohl um ihre Aufmerksamkeit zu erwecken. Sie zuckte nur leicht.

Robert F. Kennedy: Misses Bush. Warum liessen Sie die Katzen verbrennen?

Deidre Bush: Geht Sie das was an?

Robert F. Kennedy: Das will ich wohl meinen, ja! Sie sind unter anderem deswegen hier angeklagt.

Deidre Bush: Das verstehen Sie ja doch nicht, Sie Heide.

Richter Spencer Gabriel: Ich darf Sie daran erinnern, dass Sie eine Aussagepflicht haben, Misses Bush. Wenn Sie nicht kooperieren zieht das empfindliche Strafen nach sich.

Deidre Bush: Katzen sind Ungeziefer. Sie verbreiten Krankheiten und rauben einem mit ihrem Gekreische den Schlaf.

Robert F. Kennedy: Konnten Sie, wenn schon, die Tiere nicht human beseitigen?

Deidre Bush: Was heisst human?

Robert F. Kennedy: Wundert mich nicht, dass Sie das nicht wissen. Anders gefragt: warum gerade lebendig Verbrennen? Vor Publikum?

Deidre Bush: Warum denn nicht? Das Volk wird unterhalten und belehrt.

Robert F. Kennedy: Belehrt?

Deidre Bush: *echaufiert sich* Dass alle Kreaturen des Teufels dereinst im Höllenfeuer brennen werden. Viele Menschen haben keine rechte Vorstellung von der Realität in der Hölle. Sie verharmlosen daher die Gefahr, einst dort zu landen. Durch die Katzenverbrennungen wurde ihnen vor Augen geführt, was es heisst, von Gott in den Feuersee geworfen zu werden.

Robert F. Kennedy: Keine weiteren Fragen. Sie sind dran, Mister Carter.

Elijah Carter: Misses Bush, Die Verbrennungen hatten also religiöse Hintergründe?

Deidre Bush: Ja, sozusagen eine Art Religionsunterricht.

Elijah Carter: Keine Weiteren Fragen.

Robert F. Kennedy sah Carter mit einer Mischung aus Staunen und Misstrauen an.

Richter Spencer Gabriel: Kreuzverhör?

Robert F. Kennedy: Ich habe im Moment auch keine weiteren Fragen, behalte mir aber vor, die Angeklagte zu einem späteren Zeitpunkt noch mal zu befragen.

Richter Spencer Gabriel: Nun denn, rufen Sie den Überraschungszeugen auf, Mister Carter.

Die Vernehmung des ÜberraschungszeugenBearbeiten

Die amerikanensische Prozessordnung sieht vor, dass die Verteidigung ganz am Schluss noch einen Zeugen aufrufen darf, der der Staatsanwaltschaft vorher nicht bekannt war.


Elijah Carter: Ich rufe meinen Überraschungszeugen auf: PRÄSIDENT JOHN FITZGERALD KENNEDY!

Ein Raunen ging durch den Saal. Richter Gabriel liess erneut seinen Hammer auf das Pult knallen.

Richter Gabriel: RUHE! Ruhe habe ich gesagt, oder ich lasse den Saal räumen.

Robert F. Kennedy: Sind Sie jetzt völlig verrückt, Carter?

Elijah Carter: Wo ist Ihr Problem? Nirgends in der Prozessordnung steht, dass der Präsident nicht aussagen darf.

Robert F. Kennedy: Na, Sie sind vielleicht gut. Er darf alles. Aber muss nichts! Sie haben definitiv den Verstand verloren, Carter! Der Präsident ist immun! Und dieser Präsident sowieso! Wir haben eine Monarchie, schon vergessen?

Richter Gabriel: Ich fürchte, es gibt tatsächlich keine Möglichkeit, den Präsidenten zu einer Aussage zu zwingen.

Nun erhob sich JFK in seiner Ehrenloge.

John F. Kennedy: Ich tätige meine Aussage freiwillig!

Richter Gabriel: Mister President. Selbstverständlich können Sie aussagen, wenn Sie dies wünschen. Ist Ihnen aber bewusst, dass Sie aus formalen Gründen während der Dauer der Befragung Ihre Autorität als Staatsoberhaupt zu Gunsten meiner als Richter abgeben müssen? Will heissen, ich muss Sie - zummindest theoretisch - ermahnen dürfen oder Sie gar bestrafen. Es bedeutet auch dass man Sie wie einen gewöhnlichen Zeugen behandeln wird und Sie nicht die Möglichkeit haben werden, Kraft Ihres Amtes unangenehme Fragen zu verhindern.

John F. Kennedy *Schreitet entschlossen nach Vorne* Das ist in Ordnung. Sie brauchen mich während des Verhörs auch nicht mit "Mister President" anzusprechen, sondern nur als Mister Kennedy.

John F. Kennedy nahm Platz und sah Carter herausfordernd an.

Elijah Carter: Mister Kennedy, danke dass Sie zu einer Aussage bereit sind. Ich versuche es kurz zu machen. Was waren Ihre Beweggründe, Christchurch anzugreifen?

John F. Kennedy: Der Krieg war gerade ausgebrochen. Es gab bereits diverse Kampfhandlungen an der Dixieländisch-Amerikanensischen Grenze.

Elijah Carter: Haben Sie der Dixie-Confederaton den Krieg erklärt oder war es umgekehrt?

John F. Kennedy: Nun, ich habe den Krieg erklärt aber natürlich nicht aus heiterem Himmel, das...

Elijah Carter: Danke, Mister Kennedy. Das reicht. Was genau ist der Grund für die, sagen wir mal, anhaltende Gegnerschaft zwischen Amerikanien und der Dixie-Confederation?

John F. Kennedy: Fundamentale Unterschiede in religiösen, ethischen und gesellschaftlichen Ansichten. Die Dixie-Confederation will unsere Lebensweise nicht tolerieren.

Elijah Carter: Können SIE denn die Lebenweise der Dixie-Confederation tolerieren?

John F. Kennedy: Muss ich ja wohl, oder?

Elijah Carter: ...So wie Dixie letzten Endes die amerikanensische tolerieren muss. Aber an jenem 11. Mai 1799 beschlossen Sie, dass Sie nichts mehr tolerieren müssen, zummindest nicht in Christchurch. Dachten Sie eigentlich schon an die "Reverse Crusade" während Sie im gesteckten Galopp auf die Stadt zupreschten oder kam Ihnen dieses Umerziehungskonzept erst später in den Sinn?

John F. Kennedy: Während des Angriffs dachte ich selbstverständlich erstlinieg an den militärischen Sieg. Noch mal: Es war Krieg! Wären wir nicht einmarschiert, wären die Dixies bei uns eingefallen. Sind sie dann ja auch, später! Die Geschichte ist Ihnen hoffentlich bekannt.

Elijah Carter: Das ist sie durchaus, Mister Kennedy. Konzentrieren wir uns aber auf Christchurch. Wann ist Ihnen das Konzept der "Reverse Crusade" in den Sinn gekommen.

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Carter befragt John F. Kennedy

John F. Kennedy: Als fest stand, dass wir die Stadt erobert hatten. Nachdem das militärische Ziel erreicht war, war ja klar, dass wir die Besatzungszeit irgendwie gestalten müssen. Christchurch war von allen Dixieländischen Städten mit die konservativste und finsterste. Die Zustände waren geradezu erschütternd. Armut, Analphabetismus, Krankheit und eine kleine Schicht aus Klerus und Obrigkeit, die wie die Maden im Speck hausten. Diese Elite lebte ihren Sadismus geradezu hemmungslos aus. Und die Menge akzeptierte ihre Unterdrückung auch noch, weil man ihr eintrichterte, dass ein allmächtiger, unbarmherziger Gott dies so wolle. Es ging darum, diesem geschundenen Volk einen neuen Weg zu zeigen: Neue Werte der Menschlichkeit, der Toleranz und der Humanität ohne Sklaverei.

Elijah Carter: Werte, wie Sie in Amerikanien gelebt werden?

John F. Kennedy: Ja.

Elijah Carter: Nun ja, dass die amerikanensische Toleranz ihre Grenzen hat haben wir bereits erörtert. Sie sind jedenfalls nicht bereit Gesellschaftsysteme, die Ihnen nicht passen, zu tolerieren.

John F. Kennedy: Toleranz schliesst Kritik nicht aus.

Elijah Carter: Ach so! Dann war die Eroberung von Christchurch also eine Form von Kritik? Na Danke, dass Sie mich aufgeklärt haben, Mister Kennedy. Nun denn, kommen wir zum Stichwort Menschlichkeit: Wie menschlich war denn das Massaker an der Menschenmenge durch Oberst-Leutnant Pjotr Klimenko und dessen Husaren?

John F. Kennedy: Oberst-Leutnant Klimenko hat dazu ja schon Stellung genommen. Ich stehe voll hinter ihm. Er ist ein guter Soldat.

Elijah Carter: Ja, schon klar. Nun zur Humanität. Frau Bush verbrannte Katzen aus religiösen Gründen. Werden in Amerikanien keine Tiere aus religiösen Gründen getötet?

John F. Kennedy: Erstens nicht auf diese Art und zweitens nicht mit dieser Begründung. "Religionsunterricht". "Zeigen, wie die Hölle aussieht" - das ist doch sowas von pervers.

Elijah Carter: In Amerikanien schneidet man Pferdefohlen, Kälbern, Tauben und was weiss ich noch was für Tieren den Hals durch. Mit welcher Begründung? Um die Götter milde zu stimmen.

John F. Kennedy: Um ihnen zu danken. Bei grösseren Tieren ist es mittlerweile Gesetz, dass Sie vor dem Entbluten betäubt werden müssen. Mal davon abgesehen, dass auch ein betäubungsloses Schächten vermutlich zehn mal schmerzloser ist, als lebendig verbrannt zu werden. Ausserdem essen wir unsere Opfertiere und verbrennen sie nicht sinnlos. Es handelt sich also im Grunde vielmehr um Opfer die getätigt werden weil man ohnehin essen will. Statt die Tiere einfach profan zu schlachten, erweist man ihnen durch ein begleitendes Ritual Ehre.

Elijah Carter: Ihnen ist aber klar, dass viele Menschen die amerikanensische Opferpraxis als etwas grausames, brutales und archaisches ansehen.

John F. Kennedy: Ich respektiere solche Ansichten.

Elijah Carter: Da haben Ihre Kritiker aber mal Glück. Kommen wir nun zum Thema Sklaverei. Stimmt es, dass Sie, als Sie damals in Palmyra wohnten, zwei eigene Sklavinnen hatten?

John F. Kennedy: Ein Geschenk des Senators von Palmyra, ja.

Elijah Carter: Ein sehr grosszügiger Senator. Und Sie haben das Geschenk angenommen?

John F. Kennedy: Ja, natürlich.

Elijah Carter: Ihre Ablehnung der Sklaverei war damals wohl noch nicht sonderlich ausgeprägt, wie?

John F. Kennedy: Hören Sie. Ich war jung und ja, ich gebe zu, ich habe mir damals tatsächlich keine Gedanken darüber gemacht. Es war eben die örtliche Kultur. Meine Sklavinnen hatten es sehr gut bei mir. Ich habe sie nie zu etwas gezwungen. Wir waren mehr so etwas wie eine flotte Dreierkommune.

Elijah Carter: Oh, ich kann mir schon vorstellen, dass es wahrhaftig schlechtere schicksale gab für eine junge Leibeigene, als Eigentum eines schönen, sanften Iren zu werden, der sie gut behandelt und mit dem man geschmeidig über Literatur parlieren kann und der einem schick zum Essen ausführt. Die Frauen hatten wohl wirklich Glück. Aber wie sagten Sie selber doch mal: "Das Wesen der Unterdrückung ist nicht, dass es keine gute Unterdrücker gibt, sondern dass man überhaupt Glück haben muss, an einen solchen zu geraten." Das war's. Keine weiteren Fragen. Ich bedanke mich bei Ihnen Mister Kennedy, für Ihren Schneid, sich der Befagung zu stellen.

Richter Gabriel: Herr Staatsanwalt?

Robert F. Kennedy: Ja, nur ein paar wenige Fragen.

Robert Kennedy trat vor seinen Bruder. Ihre Blicke trafen sich. JFK lächelte liebevoll.

Robert F. Kennedy: Mister Kennedy, haben Sie Ihre Sklavinnen eigentlich später freigelassen?

John F. Kennedy: Ja. Nachdem wir in Amerikanien angekommen waren. Sie leben heute als freie Bürgerinnen.

Robert F. Kennedy: Stimmt es, dass Sie während den Kämpfen in Christchurch am Tag der Eroberung, Ihre Männer angehalten haben, die Zivilbevökerung zu schonen?

John F. Kennedy: Ja. Als klar war dass wir die Oberhand hatten, rief ich die Soldaten auf, sich zu mässigen.

Robert F. Kennedy: Nun noch etwas zum Thema Tieropfer: Stimmt es, dass Sie persönlich ein Gesetz verabschiedet haben, welches den Opferenden dazu verpflichtet, Sachkenntnisse aufzuweisen und Leidminimierend vorzugehen?

John F. Kennedy: Ja. Wer sich nicht daran hält kann bestraft werden.


Robert F. Kennedy: Danke, keine weiteren Fragen.

Richter Gabriel: Nun denn, ist es Zeit, die Sitzung für heute aufzuheben. Die Verhandlung wird auf Morgen vetragt, dann werden die Schlussplädoyers gehalten. Bite räumen Sie den Saal.


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DER DREIERBANDE PROZESS

Eröffnungsplädoyers * Zweiter Verhandlungstag * Dritter Verhandlungstag * Vierter Verhandlungstag * Fünfter Verhandlungstag *
Sechster Verhandlungstag * Siebter Verhandlungstag * Achter Verhandlungstag * Schlussplädoyers
* Das Urteil

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