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Dreierbande Prozess:Das Urteil

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Am 3. Februar war es schliesslich soweit: Das Urteil im spektakulären Dreierbande-Prozess wurde gefällt. Schon früh am Morgen bildeten sich lange Schlagen vor dem Gerichtsgebäude. Die internationale Presse drängelte sich um den Journalisteneingang. Viele Wetten waren abgeschlossen worden. Der Ausgang war in der Tat mehr als ungewiss. Zum einen, weil es bislang keinen Präzedenzfall gab aber auch weil beide Seiten viele stichhaltige Argumente vorgebracht hatten.

VorbemerkungenBearbeiten

Richter Gabriel mahnte den Saal zur Ruhe, dann erhob er sich und begang, die Urteile, samt Begründungen zu verlesen:

Gabriel2.jpg

Richter Gabriel verliest das Urteil

Richter Spencer Gabriel: Dieser Prozess hätte niemals stattgefunden, wenn er nicht von Präsident Kennedy persönlich angeordnet worden wäre. Er hat fundamentale Fragen der Ethik aufgegriffen und uns vor Augen geführt, wie schwer ist es ist, diesen Fragen mit den Mitteln der Rechtsprechung gerecht zu werden.

Die Verteidigung hat den kulturellen Hintergrund der Angeklagten in den Mittelpunkt ihrer Strategie gestellt und dargelegt, das kein Mensch wirklich frei aus sich selber heraus handelt, sondern stets auch ein Produkt seiner Zeit, seines Umfeldes und seiner Erziehung ist.
Natürlich ist der kulturelle Hintergrund keine Entschuldigung per se: Ich habe schon ein paar mal Angeklagte mit Migrationshintergrund verurteilt, die in Amerikanien Verbrechen begingen, welche in ihren Herkunftslänern nicht als Verbrechen angesehen werden. Wer sich in einem anderen Land niederlässt, dem ist es zuzumuten, dass er sich mit den dortigen Werten, Regeln und Gesetzen vertraut macht und diese respektiert.

Der soziokulturelle Hintergrund ist erst dann als Faktor zu berücksichtigen, wenn er der einzige, zummindest aber der bestimmende, externe Einfluss auf die Entscheidungsfindung eines Menschen darstellt. Wenn dem Indivduum alternative Informationen in einem relevanten Masse zur Verfügung stehen, in jenem Moment also, wo es eine bewusste Wahl zwischen zwei Verhaltensweisen trifft, erst dann ist diese Wahl überhaupt bewertbar.

Der Staatsanwalt ging von der Prämisse aus, dass die besagte, «externe Alternative » das eigene Gewissen sei, ein übergeordnetes Bewusstsein der Menschlichkeit, das sozusagen angeboren und unabhängig von Religion, Kultur und Gesellschaft wirke. Die ganze Sache steht und fällt also mit der Frage, ob es dieses übergeordnete Bewusstsein gibt, oder ob dieser Begriff doch nur ein Konstrukt ist, auf das wir unsere persönlichen, variablen Werte proijzieren.

Für die Existenz einer solchen übergeordneten Instanz spricht, dass es auch in hermetisch abgeschlossenen Gesellschaftsystemen immer wieder Köpfe gibt, die sich auch ohne externe Vorgaben bewusst gegen tradierte Werte stellen und die herrschende Strukturen hinterfragen. Solche Menschen gab und gibt es zu allen Zeiten und in allen Ländern. Ohne sie gäbe es keinen gesellschaftlichen Fortschritt. Es handelt sich dabei um aussergewöhnliche Menschen. Man könnte sie auch Helden nennen.

Wenn es das übergeordnete Bewusstsein der Menschlichkeit also gibt, dann ist es dem Einzelnen ganz offensichtlich nur in Ausnahmefällen zugänglich, den Helden eben. Eine reichlich deprimierende Erkenntnis, das gebe ich gerne zu.

Nun gibt es kein Gesetz, das den Menschen verpflichtet, ein Held zu sein. Das Gesetz setzt nämlich denkbar tief an, in dem es vom Individuum lediglich erwartet, sich an das gerade geltende Recht zu halten. Die Angeklagten haben sich innerhalb des damals geltenden Rechtes bewegt. Sie waren schon aufgrund ihrer familiären Herkunft, ihrer Position und ihrer Ämter fest eingebunden in die herrschende gesellschaftliche Struktur, welche sie zwar halfen zu festigen, die sie aber – und das ist ganz wichtig - nicht erschufen. Gewiss haben sie den bestehenden Spielraum zwischen einer maximal sanften und einer maximal harten Auslegung dieser Strukturen zu Gunsten einer maximal brutalen genutzt.
Es behauptet auch niemand, dass die Angeklagten gute Menschen seien. Ich halte sie persönlich für besonders schlecht. Schlechte Menschen, die, wie das leider häufig vorkommt, einfach das Glück hatten, in einem Umfeld zu leben, welches die Entfaltung ihrer Schlechtigkeit geradzu ideal ermöglichte. Zummindest damit ist es nun vorbei. Sich fortan an die amerikanensischen Gesetze halten zu müssen dürfte wohl bereits eine beträchtliche Strafe sein.

Ob sich bei den Angeklagten jemals irgendwann eine innere Stimme gemeldet hat, die ihr Tun kritisierte, ob es also irgendwann einmal eine bewusste Entscheidung für das Böse gab, vermag ich nicht zu beurteilen. Ich möchte glauben, dass es diese höhere Menschlichkeit gibt und dass sie in uns allen wirkt, wenn wir ihr denn nur zuhören. Ich weiss es nicht. Als Richter muss ich das geltende Gesetz als alleinigen Masstab heranziehen.

Das UrteilBearbeiten

Frau.jpg

Eine ehemalige Sklavin im Publikum

Ich verkünde nun das Urteil, Bitte erheben Sie sich.


Im Namen des Volkes und des Präsidenten ergeht folgendes Urteil:

Der Angeklagte Jed Bush wird im Anklagepunkt "Verberechen gegen die Menschlichkeit" freigesprochen.

Der Angeklagte Hardy Hucklander wird im Anklagepunkt "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" freigesprochen.

Ein Raunen und Rascheln ging durch den Saal.

Richter Gabriel: Moment!

Im Anklagepunkt "Majestätsbeleidigung" wird der Angeklagte Hucklander indes zu einer Geldstrafe von 5000 Gulden ersatzweise einen Monat Haft verurteilt.
Mister Hucklander. Sie haben am 20. Januar 1801 hier im Gerichtsaal für alle hörbar Präsident Kennedy als, Zitat "Hure Babylon", "Vertreter Satans auf Erden, "Abgott!" "Götzendiener" und "Opferfleischfressende Drecksau" beleidigt. Anders als ihre anderen Verbrechen geschah dieses nicht mehr unter dem alten Regime, sondern unter dem, dessen Gesetze sie besser mal ganz schnell respektieren lernen, ansonsten Sie mit Sicherheit bald gesiebte Luft atmen werden.

Die Angeklagte Deirdre Bush wird im Anklagepunkt "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" freigesprochen. Im Anklagepunkt "Tierquälerei" wird die Angeklagte indes für schuldig befunden und wegen besondres schwerer Schuld zu 10 Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Wieder Unruhe im Saal.

Richter Spencer Gabriel: RUHE! Ja, manche mag das nun erstaunen. Die Katzenverbrennungen fanden ja auch unter dem alten Regime statt, warum nun also hier eine Verurteilung? Ganz einfach. In diesem Fall kann der religiös-kulturelle Kontext nicht als Legitimation herangezogen werden.
Frau Bush: Die kranke Idee, Tiere lebendig auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen, bei möglichst langsamer, quälender Vorgehensweise, das war IHRE Idee.
Sie hatten keinerlei Vorbild, keinerlei Tradition, die sie dazu inspirierte. Es gibt dafür auch keine religiöse Rechtfertigung. Dieser Irrsinn von wegen "Die Hölle nahebringen" ist lediglich Ihrem sadistischen Hirn entkrochen, um eine völlig sinnlose Bestialität scheibar zu rechtfertigen.

Das Dixiländische Gesetz, dem Sie zur Tatzeit untestellt waren, sieht eine solche Barabarei auch nicht vor. Im Gegenteil, es gibt da einen zwar wagen, aber immerhin vorhandenen Tierschutzparagraphen der da lautet: "Die Kreatur ist schonend und human zu behandeln". Dies haben Sie grob missachtet und das ganz bewusst. Sie werden Ihre Strafe im Frauengefängnis von Pikes Point verbringen. Die dortigen Mörderinnen, Giftmischerinnen und Bankräuberinnen sind meines Wissens alle recht Tierlieb und werden sich daher sicher freuen, Ihnen den angemessenen Umgang mit den Mitgeschöpfen eindringlich beizubringen.

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John F. tröstet seinen Bruder.

Abschliessend noch ein paar allgemeine Worte: Es ist mir Bewusst, dass der Ausgang des Prozesses für das Gerechtigkeitsempfinden vieler Bürger keinesfalls befriedigend ist. Für die Opfer und deren Angehörigen muss es besonders bitter sein. Ich betone, dass dieser Freispruch in keinster Weise ein Gutheissen oder eine Rechtfertigung der Taten der Angeklagten darstellt. Wir haben es uns nicht leicht gemacht. Aber aus rechtstaatlicher und juristischer Sicht, war dies der einzig mögliche Ausgang.

Staatsanwalt Robert Kennedy: Sie haben Ihre Sache wirklich gut gemacht und ich achte und ehre Ihr Engagement für Ethik und Menschenrechte. Betrachten Sie den Ausgang nicht als Niederlage, sondern als Chance. Sie und Ihr Bruder der Präsident, haben das Thema Menschenrechte in der Öffentlichkeit zum tagesaktuellen Thema gemacht. Wenn auch nur ein Bürger dadurch tiefer über die in den vergangen Tagen aufgeworfenen Fragen nachenkt, dann war es das schon wert. Dass das Gericht die Freiheit und Unabhängigkeit besass, ohne Furcht vor Repressalien ein Urteil zu fällen welches, dies ist mir wohl bewusst, nicht im Sinne des Präsidenten ist, beweist die Stärke und Souveränität unseres geliebten Herrschers.

Anwalt Carter: Auch Sie haben sich hervorragend geschlagen. Sie sind zu keiner Zeit der Versuchung erlegen, die Angeklagten zu verklären oder ihre Taten zu euphemisieren. Und das, obwohl Sie als gebürtiger Christchurcher und damit als gebürtiger Dixieländer emotional mit der Eroberung Ihrer Heimat und dem neuen Regime erst mal klar kommen mussten. Ihre stringente, rationale Argumentation hat uns sehr beeindruckt.

Die Sitzung ist geschlossen. Die Götter mögen Land und König schützen. Bitte räumen Sie den Saal.

So endete der Jahrhundertprozess um die Dreierbande.


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DER DREIERBANDE PROZESS

Eröffnungsplädoyers * Zweiter Verhandlungstag * Dritter Verhandlungstag * Vierter Verhandlungstag * Fünfter Verhandlungstag *
Sechster Verhandlungstag * Siebter Verhandlungstag * Achter Verhandlungstag * Schlussplädoyers
* Das Urteil

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