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Das Gleichnis vom Sänger

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PenelopeLopez.jpg

Autorin Penelope Lopez

Das Gleichnis vom Sänger wird von der Romanfigur des Hans Franz (Josef Sackbauer) erzählt. Es entspringt der Feder der venezolanischen Autorin Penelope Lopez und ist Teil des Romans „Viktoria“.

Inhalt des Buches Bearbeiten

Josef Sackbauer, der seit seinem Unfall das Pseudonym Hans Franz benutzt, arbeitet zusammen mit seiner Nichte an einem weiteren Comic. Während des Schaffensprozesses erfährt der Zeichner und Maler von ihr, dass der Großgrundbesitzer Karl Buchenheim gestorben ist. Josef zeigt großes Interesse an dessen Tod, begründet dieses jedoch nicht. Stattdessen schickt er seine Nichte in die Abstellkammer, wo sich neben Werkzeug auch einige Bilder, die eine schwarzhaarige Frau zeigen, befinden.

Die erste Rückblende erzählt von Viktoria, die um ihre Eltern vor dem Ruin zu bewahren, den Großgrundbesitzer Karl Buchenheim heiratet. Es ist für den Leser ersichtlich, dass sie mit der Ehe nicht glücklich ist, obwohl Buchenheim seine Ehefrau liebt.

Die Rückblende endet und der Fokus der Handlung richtet sich wieder auf Josef, der durch den Tod Buchenheims wieder an Viktoria erinnert wird. Dies führt dazu, dass er sich eigenartig verhält und zurückzieht. Verschlimmert wird alles durch die Krebsdiagnose. Der Maler zieht sich in die Abstellkammer zurück und betrachtet Bilder, die er gemalt hatte.

Die zweite Rückblende erzählt von Viktoria, die sich mit ihrem Leben arrangiert hat. Ihr Ehemann ist nur selten zuhause. Die Zeit verbringt sie mit Lesen und Gesellschaftsspielen. Von einer Bekannten erhält sie den Vorschlag einigen Malern als Model zu dienen.

Die Rückblende endet. Josef entschließt sich seiner Nichte von Viktoria zu erzählen. Dazu lädt er sie in seine Abstellkammer und zeigt ihr die Bilder.

Die dritte Rückblende erzählt vom Zusammentreffen von Viktoria und Josef Sackbauer, dem sie für ein Portrait Modell stand. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und Josef beschließt mehr Portraits von Viktoria zu zeichnen. Nach einiger Zeit verlieben sich die beiden und es entwickelt sich eine Affäre.

Die Rückblende endet. Josef unterbricht seine Erzählung, um mit seiner Nichte am Comic weiter zu arbeiten. Auf Grund des Gehirntumors kommt es zu einem Anfall. Der Maler wird ins Krankenhaus gebracht. Erst nach einigen Tagen haben die Ärzte seinen Gesundheitszustand unter Kontrolle und Josef wird von seiner Nichte besucht. Er nutzt die Gelegenheit, um seine Geschichte fertig zu erzählen.

Die letzte Rückblende ist gleichzeitig die längste. Der Großgrundbesitzer erfährt von Viktorias Affäre und erzählt dies seiner Ehefrau. Diese trennt sich von ihm. Josef und Viktoria flüchten nach Wien und schmieden Pläne ins Aztekenreich oder nach Amerikanien auszuwandern und ein neues Leben zu beginnen. Jedoch werden die beiden in einen Kutschenunfall verwickelt, der Viktoria das Leben kostet und Josef an den Rollstuhl fesselt. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus nennt sich dieser nur noch Hans Franz. Bei seiner Rückkehr in seine Wohnung entdeckt er einen Brief des Großgrundbesitzern, in dem dieser andeutet Schuld am Unfall zu sein.

Die Rückblende endet. Josef bittet seine Nichte die Bilder Viktorias zu veröffentlichen und das letzte Bild, das sie während eines Spazierganges am Meer zeigt zu vollenden. Josefs Zustand verschlechtert sich rapide. Das Buch endet damit, dass seine Nichte ihm das fertige Bild zeigt.

Verwendung des Gleichnisses Bearbeiten

Das Gleichnis vom Sänger findet zweimal im Roman Verwendung, jedoch ist es beim zweiten Mal leicht verändert und weicht etwas von der ursprünglichen Aussage ab, sodass in der Literatur vor allem die erste Version des Gleichnisses zitiert wird.

Dieses wird kurz vor Ende der der dritten Rückblende verwendet. Viktoria befindet sich in Josefs Wohnung und betrachtet dessen Bilder. Er sitzt auf einem Sofa und beobachtet, wie Viktoria durch seine Wohnung schlendert. Nach einer Weile setzt sie sich zu ihm auf das Sofa und fragt ihn, weshalb er, obwohl er ein ausgezeichneter Zeichner ist, keine Aufträge annimmt, um sein Barvermögen zu vergrößern. Daraufhin erzählt der Maler das Gleichnis vom Sänger und bezeichnet sich selbst als der Sänger. Dadurch verdeutlicht er, dass er glücklich ist und ihm seine Freiheit mehr am Herzen liegt als Geld. Viktoria zeigt sich angetan vom Gleichnis und fragt scherzhaft, weswegen Josef nicht sein Glück als Schriftsteller versucht.

Das zweite Mal wird das Gleichnis kurz vor Ende des Buches verwendet. Der Todkranke Josef liegt in seinem Krankenhaus. Nachdem er seine Erzählung über Viktoria beendet und seine Nichte um die Beendigung des Gemäldes gebeten hat, fragt diese weshalb er es nicht selbst fertig gezeichnet hat. Wieder erzählt Josef das Gleichnis. Diesmal ist es leicht verändert und er nimmt die Rolle des Buchhalters ein. Dadurch zeigt sich, dass Josefs Selbstbetrachtung seit Viktorias Tod nicht mehr stimmt, denn der Buchhalter war glücklich, doch Josef ist es nicht, sodass er dem Musiker entspricht, wenn er das Angebot angenommen oder alles verloren hätte.

Gleichnis Bearbeiten

Ein junger Mann saß auf einem kleinen Hocker. In den Händen hielt er eine Gitarre zu deren Klängen er sang. Der Hocker befand sich in der Ecke des Gastraumes eines Restaurants. In eben diesem speiste ein Buchhalter, namens Juan, zusammen mit seiner Frau. Als er mit dem Essen fertig war ging er zum Musiker, dessen Name Arturo war und sagte ihm: "Sie haben eine wunderbare Stimme, mein Freund." "Danke, es freut mich, dass es Ihnen gefallen hat." "Es hat mir nicht nur gefallen. Es hat mich begeistert," erklärte Juan überschwänglich. Der Musiker bedankte sich nochmals und wollte weiter singen, als der Buchhalter fragte: "Warum sitzen Sie noch auf dieser kleinen Insel. Ich arbeite als Buchhalter einer Plattenfirma. Ich kann Ihnen helfen berühmt zu werden. Sie könnten einen Haufen Geld verdienen und berühmt werden." "Sie sind nicht der Erste, der mir dieses Angebot macht und Sie sind nicht der Erste, der mir sagt, dass ich gut singen kann. Was mache ich mit dem vielen Geld? Was mache ich mit dem Ruhm? Ich wohne auf dieser kleinen Insel in dem Haus meiner Eltern. Wenn diese gestorben sind, gehört es mir. Jeden Abend spiele ich in diesem Restaurant, dafür muss ich nicht für das Essen bezahlen. Auch mein Herz ist schon vergeben. An eine junge Dame mit hübschem Gesicht und keckem Geist. Wozu brauche ich also Ihr Geld und den Ruhm, wenn ich schon glücklich bin?" erwiderte Arturo.

Juan starrte ihn einige Augenblicke verdutzt an, zündete eine Zigarette an, dann erklärte er: "Sie könnten sich ein riesiges Haus kaufen, oder ein Dutzend Wohnungen in allen Teilen der Welt. Sie könnten in den besten Restaurants speisen, zahlreiche teure Gemälde anschaffen oder die schönste Kleidung kaufen." Er hielt inne, rieb den Stoff seines Sakkoärmels zwischen den Fingern, dann sagte er: "Beste Qualität, ein wunderbares Leinen-Seiden-Gemisch. Sie müssten nicht mehr dieses billige Baumwollhemd tragen und könnten sich Kleidung kaufen, die Ihrer würdig wäre." "Ich fühle mich geehrt durch Ihr Angebot, aber ich kann nur wiederholen, was ich schon sagte. Ich habe kein Interesse. Ich wohne auf einer kleinen Insel. Hier sind die Menschen nett. Man muss keine Angst haben, ausgeraubt zu werden. Man muss sich nicht in seinem Zuhause verstecken. Deshalb brauche ich kein großes Haus. Auf dieser Insel brauche ich kein Geld, denn es gibt hier nur ein einziges Restaurant und wenn ich singe, muss ich für das Essen nicht bezahlen. Auch an keinem Gemälde der Welt habe ich Interesse, denn wenn ich aus dem Fenster blicke oder vor die Tür trete, sehe ich die Natur in einer Schönheit, die kein Künstler auf eine Leinwand bannen könnte. Auch benötige ich nicht die schönste Kleidung der Welt, den die Menschen hier kennen mich und wissen, dass mein Charakter kein billiges Baumwollhemd ist," sagte Arturo entspannt und blickte auf die Uhr.

Er legte die Gitarre zurück in den Koffer. Juan war irritiert und erklärte ihm: "Sie lassen sich eine riesige Chance entgehen. Sie könnten reich und berühmt werden, die Welt sehen." "Sagen Sie mir, was es so großartiges gibt, dass es sich lohnt mein Glück aufzugeben. Sagen Sie mir, was es so großartiges auf der Welt gibt, dass ich mich auf den Weg machen soll, obwohl ich mein Ziel erreicht habe. Alles für uns relevante, finden wir nicht in der Welt, sondern in uns. Ich habe jetzt Pause. Wenn Sie mich entschuldigen," sagte der Musiker gereizt und stand auf. Juan antwortete mit einem leichten Lächeln: "Ihre Worte denunzieren Sie als einen miserablen Geschäftsmann, zeichnen Sie aber als weisen Mann aus."

Literarische Bewertung Bearbeiten

"Die Verwendung eines Gleichnisses ist nichts Neues. Die Philosophie hat diese Gattung schon früh erkannt. Nietzsche, Schoppenhauer und andere bedeutende Denker haben Gleichnisse genutzt. Vor allem aztekische Philosophen wie Tzintzuntzan oder Tenoch-Hase haben die Aussagekraft dieser Gattung erkannt. So sind die ersten drei Werke der Philosophien de facto Gleichnissammlungen. Die Gattung ist nicht das herausragende an diesem Gleichnis. Auch ist es nicht die Thematik. Diese ist zwar korrekt und sicherlich bedeutsam, doch nicht neu. Was im Gleichnis vom Sänger nur Wage in 500 Wörtern angedeutet, füllt bei anderen ganze Bücher. Des Weiteren ist das Gleichnis nicht von rhetorischer Brillanz. Es enthält zwar keine Wortwiederholungen oder Fehler und die Formulierung ist alles andere als flapsig, doch im Vergleich zu anderen Texte schöpft Penelope Lopez ihr sprachliches Talent nur im Ansatz aus. Weder die Gattung, der Inhalt noch die Aufmachung sind besonders und darin liegt das Geheimnis. Es wird dadurch zu einem Gleichnis eines einfachen Menschen. Es gibt nicht die komplizierten Schachtelsätze aus der Philosophie. Der Text erstreckt sich nicht über Seiten und die Sprache wirkt nicht künstlich. Hier zeigt sich eines der großen Talente von Penelope Lopez, die Authentizität. Ein Maler erklärt seiner Geliebten, warum er keine Auftragsarbeiten annimmt und es sind die Worte eines Liebenden. Man hat den Eindruck, dass diese Worte nicht auswendig gelernt sind, sondern wirklich von Herzen kommen. Darin liegt die Besonderheit des Textes. Es ist ein Vergleich des einfachen Menschen. Ein Vergleich, den man auch selbst erzählen kann, weil er menschlich wirkt und nicht wissenschaftlich."
– Michael Horvanek, Was macht einen Bestseller aus?, S. 97

Interpretation Bearbeiten

Interpretationen über das Gleichnis des Sängers gibt es nur wenige, da dieses noch nicht einmal 10 Jahre alt ist und nur einen Teil eines gesamten Werkes darstellt. Auch wenn der Roman „Viktoria“ von den Kritikern gelobt wurde, ist er nur selten Gegenstand von Interpretationsversuchen und diese sind meist so oberflächlich, dass das Gleichnis nicht behandelt wird. In den folgenden Absätzen werden drei Interpretationsansätze vorgestellt:

"Das Gleichnis vom Sänger gilt als einer Höhepunktes der Romanes „Viktoria“. Der Maler Josef Sackbauer versucht zu erklären, warum er keine Aufträge annimmt. Viktoria sowie die meisten Leser akzeptieren das Gleichnis vom Sänger als Begründung. Es wirkt, als ob man unwillkürlich die Aussage verstehen würde. Doch versucht man diese Ahnung in Worte zu fassen, treten erste Probleme auf. Der erste Impuls kann nicht durch Textstellen belegt werden und je länger man es versucht, desto mehr andere Interpretationsmöglichkeiten entdeckt man. Die eher simple Sprache und der Verzicht auf fast jede Symbolik, erschweren das Erfassen der Aussage ungemein. Dies wird noch verstärkt, wenn man nur das Gleichnis betrachtet und die Romanhandlung aus der Deutung ausschließt. Es unmöglich zu sagen, ob das Verhalten des Musiker ein Vorbild oder Abschreckung sein soll. Nach einem langem Denkprozess hat man eine Vielzahl von Interpretationen, doch keine lässt sich als wahre Aussage beweisen, sodass man sich vermutlich für die Interpretation entscheidet, die einem am besten gefällt. Sage mir, was du über das Gleichnis des Sängers denkst und ich sage dir, wer du bist."
- Michael Horvanek in einem Interview mit der österreichischen Literaturzeitschrift "Legendus disimus"

"Das Gleichnis vom Sänger wird überbewertet. Dieser kurze Text ist mit seinem Inhalt kein herausragendes Werk und erschreckend simpel in seiner Aussage. Der Musiker, der sein Glück gefunden hat, schlägt die Chance aus und bleibt auf der Insel. Er schöpft seine Möglichkeiten nicht aus, drückt sich vor der Gefahr des Scheiterns, indem er kein Wagnis eingeht und trotzdem wird sein Verhalten als positiv dargestellt, doch es ist es nicht."
- Pierre Burre, französischer Kritiker

"Ein Gleichnis mit einem wahren Kern! Entsprechend den aus dem Mondreich stammenden Weisheitslehren gibt es in jedem Menschen einen Ort, an dem er, losgelöst von äusseren Gegebenheiten, wahres Glück finden kann. Daher scheint mir die Begründung des Musikers, der behauptet "alles" zu haben, nicht ganz korrekt. Vielmehr ist es doch so, dass er mit sich selber in Frieden lebt und dass er dies an den verschiedensten Orten unter den verschiedensten Bedingungen tun könnte. An diesem Zustand vom "Einssein mit der Welt" würden also auch andere Bedingungen nichts ändern, also sagt der Musiker sich "wozu die ganze Aufregung?" Lieber bleibt er bei seiner Familie und seinen Freunden und konzentriert sich auf das musizieren. Sein Leben plätschert weiter dahin, ähnlich den Wellen, die die Insel umspülen."
- Davin Eiréann, Bürgermeister, hobbymässiger Philosoph

"Das Gleichis des Sängers behandelt nicht, wie man dies oft fälschlicherweise angenommen wird, das grundlegende Dilemma ob das Streben nach Verbesserung (die die Gefahr des Scheiterns in sich trägt) oder das akzeptieren des Ist-Zustandes der Weg zum Glück darstellt.
Der Sänger braucht defacto tatsächlich keine Verbesserung, er hat, was er zum leben braucht und vermisst nichts. In so einer Situation auch glücklich zu sein ist erst mal ganz normal. Die eigentliche Frage ist demnach eine viel komplexere: Soll der Mensch, über eine bestehende, positive Ist-Situation hinaus, eine noch bessere anstreben?
Klassischerweise enden in vielen ähnlichen Gleichnissen und Fabeln solche Bestrebungen meist in Gier, Dekadenz und damit im Unglück. Nur wenn der Mensch aus der Not heraus seine Lebensumstände verändert, sind diesen Bestrebungen Erfolg beschieden. Was man umgangsspachlich als "Never changes a running system" bezeichnet, ist im Grunde nichts weiter als die Staatsdoktrin Amerikaniens mit ihrem Technologie-Verzicht, wohl mit ein Grund, warum sowohl das Gleichnis als auch das Buch von Lopez dort überaus poulär sind.
Leicht wird dabei übersehen, dass gerade das Buch dem Gleichnis gegenüber auch eine kritische Betrachtungen entgegenhält: Die positive Grundsituation des Sängers kann sich, so wie die des Josef Sackbauers, auf einen schlag verschlechtern. Die Selbstbbeschränkung führt dann von der Stagnation in den Zerfall, was im Roman dadurch ausgedrückt wird, dass Josef sein letztes Bild nicht mehr selber beendet, sondern die Hilfe seiner Nichte in Anspruch nehmen muss. " "Viktoria" selbst ist nicht der absolut beste Roman von Penelope Lopez, aber er ist inhaltlich äusserst vielschichtig und lesenswert."

Joan Red Dove, Literaturkritikerin des Old Yorker Literature Review

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